Mein Videostatement

Das Astramedia-Lockvogelangebot

Ein Abzocker-Drama in 5 Akten

Darsteller

Olivier Inhelder, Geschäftsführer der Beratungspool AG
Frau S. S., Media Consultant/Verkäuferin der astramedia AG
Herr T. K., Mitarbeiter Post Sales der astramedia AG
Herr F. L., Mitarbeiter Kundendienst der astramedia AG
Herr W. O., Mitarbeiter Team Basic der astramedia AG

Wegen der Androhung rechtlicher Schritte durch die astramedia AG haben wir die Namen aus dem Bericht entfernt.

1. Akt
Es ist der 21. September 2009 als in der Beratungspool AG das Telefon klingelt und uns Frau S. von der astramedia ein verlockendes Angebot macht. Astramedia hat den Beratungspool ausgewählt, um uns in einer Filmreportage zu porträtieren. Sie will in unser Unternehmen investieren und ein «Firmenporträt ohne Produktionskosten» erstellen. Ein kostenloser Referenzfilm soll das ein- bis zweiminütige Video werden, welchen die astramedia AG im Gegenzug für die Promotion ihrer Videodienstleistungen in der Beratungsbranche nutzen darf. Das lassen wir uns gerne näher erläutern und laden Frau S. zu einer Besprechung ein.

Im Gespräch erfahren wir, dass nur das Video kostenlos sei, für die Nutzung des Videos jedoch Kosten anfielen. Diese beliefen sich auf CHF 265.– monatlich mit einer festen Vertragsdauer von 48 Monaten. Man rechne. Abzüglich Rabatt für die Zahlung in drei Raten ergibt dies einen Vertragswert von CHF 10939.20.

Wäre da nicht ein sensationelles Versprechen gewesen, hätte das Gespräch an diesem Punkt sein Ende gefunden. «Durch die Kooperationspartnerschaft (von Astramedia) mit Google und Yahoo werden sie im Ranking sehr schnell auf die ersten Seiten dieser Suchportale platziert werden.», konnten wir in Frau S. E-Mail vom 21. September 2009 nachlesen. E-Mail als PDF

Mündlich präzisiert (durch Frau S.) bedeutet das: Astramedia wird diesen ersten Referenzfilm mit 10 Keywords garantiert auf die Top-A-Position in Google Maps setzen - und dies während der ganzen Vertragsdauer. Schliesslich soll das Video auch wirklich eine Referenz darstellen.
Das leuchtet ein - und wir unterschreiben den Vertrag. Vertrag als PDF

Da wir ob so viel Glück - und einigen Formulierungen im Standardvertrag doch etwas misstrauisch sind, verlangen wir einen Vertragszusatz, welcher diese Top-A-Platzierung bestätigt. Wir schreiben ein E-Mail an Frau S.

Ausschnitt aus dem E-Mail an astramedia vom 22.10.09

Einige Tage später erreicht uns Frau S. Antwort per E-Mail mit eher zweideutigem Inhalt.

Ausschnitt aus dem E-Mail von astramedia vom 26.10.09

Auf den geforderten schriftlichen Vertragszusatz, welcher die mündliche Zusage der Top-A-Platzierung unmissverständlich festhalten soll, warten wir noch heute. ... Kein Wunder bei den gängigen Geschäftspraktiken der astramedia AG. Diese wurden auch vom Kassensturz in der Sendung vom 23. November 2010 angeprangert. zur Kassensturzsendung...

2. Akt
Weil das Video bis zum Erscheinen unseres Fachbeitrags im Alpha-Kadermarkt online sein sollte, beginnen wir rasch mit der Produktion. Der Auftakt ist nicht gerade viel versprechend. Das Drehbuch, welches ein freier Mitarbeiter von Astramedia nach einer Vorbesprechung schreibt, ist schlichtwegs unbrauchbar. Wir greifen also selber in die Tasten und erstellen ein Storyboard zum Beratungspool. Die Videoaufnahmen werden von einem freischaffenden Kameramann gemacht. Der Dreh macht Spass und die Aufnahmen erfolgen fachmännisch. Auch mit dem Schnitt und der Vertonung sind wir zufrieden. So können wir in der zweiten Novemberhälfte ein professionelles Videoporträt unter www.beratungspool.ch aufschalten.

 
Freude herrscht ... aber nicht lange. Mit der ersten grossen Rechnung (halber Vertragswert) verbindet sich unsere Erwartung, dass der Eintrag des Beratungspools bei den 10 definierten Schlüsselwörtern auf Google Map auf der Top-A-Position erscheint. Die Ergebnisse sind weit davon entfernt. Was soll das?

3. Akt
In etlichen E-Mails und Telefonaten mit Mitarbeitenden kristallisiert sich immer mehr heraus, dass die astramedia AG weder berechtigt noch technisch in der Lage ist, irgendwelche Positionen bei den Suchtreffern zu gewährleisten.

Ausschnitt aus einem Brief von astramedia an den Beratungspool

Und dann kommt es noch schlimmer. Im letzten Quartal 2010 verschwindet der Eintrag des Beratungspools spurlos aus Google Maps – und dies zur wichtigsten Zeit, wenn Unternehmen ihre Aufträge für das kommende Jahr an externe Fachpersonen vergeben. Eine Erklärung von Astramedia zum Verschwinden des Eintrags ist so wenig zu erhalten wie eine Klickstatistik für die Kontrolle des bisher erzielten Nutzens. Sind hier Dilettanten am Werk, stellt sich als berechtigte Frage.

Die Videoaufzeichnung des Telefonats von Olivier Inhelder mit Frau S. am 22.12.10 ist aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht mehr online verfügbar. Gleiches gilt für den Videomitschnitt des Telefonats mit Herrn K. am gleichen Tag.

Statt Fakten liefert Astramedia hingegen die Rechnung für die nächste Ratenzahlung. Grosses Erstaunen. Wie kommt es, dass bereits nach einem Jahr 75% der Nutzungsgebühren für eine vierjährige Laufzeit beglichen werden müssen. Die Zahlung in drei Raten war zwar vereinbart, jedoch nicht die Termine und die Höhe der einzelnen Raten. In diesem Fall dürfte wohl mit einer gleichmässigen Verteilung der Raten in Höhe und in der Frequenz gerechnet werden. Die von Astramedia angewandte Praxis erachten wir als einseitig zugunsten des Rechnungsstellers.

Die Videoaufzeichnung des Telefonats von Olivier Inhelder mit Herrn L. am 11.03.11 ist aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht mehr online verfügbar.

4. Akt
Vergeblich korrespondieren wir mit dem Ziel einer fairen Praxis der Rechnungsstellung. Nach der Androhung von Astramedia ein Inkassobüro mit dem Eintreiben der Zahlung zu beauftragen, geben wir nach. Obwohl uns gute Chancen bei einem gerichtlichen Weg prognostiziert werden, verzichten wir auf diesen ressourcenintensiven Schritt. Mehr als eine Verschiebung des Zahlungstermins würde eh nicht zu erreichen sein.

Während die Auseinandersetzung um die finanziellen Belange läuft, bringt die technische Abteilung von Astramedia die Beratungspool AG wieder ins Web. Und nach etwas über zwei Monaten ist dann sogar eine Statistik erhältlich, welche die Ergebnisse nach der «Optimierung des Online-Brancheneintrags» dokumentiert. Hier ein paar Zahlen für die Periode vom 2. Februar bis 2. April 2011 (zwei Monate!):

  • 739 Impressionen (= Häufigkeit der Anzeige des Brancheneintrags als lokales Suchergebnis)
  • 20 Aktionen (= 2 Klicks für weitere Informationen zu Google Maps und 18 Klicks auf die Website des Beratungspools)

Man rechne: Bei monatlichen Kosten von CHF 265.– entspricht dies einem Cost-per-click von sagenhaften CHF 26.50 pro Klick. Bei AdWords von Google erhalten wir für den gleichen Betrag rund 50 (!) Klicks. Aus unserer Sicht hat das astramedia-Paket «BASIC» ein miserables Kosten-Nutzen-Verhältnis.

Ausschnitt aus dem Schlussbericht zur Auffindbarkeit auf Google Maps

5. Akt
Trotz unserer bitteren Erfahrungen mit astramedia sind wir nach wie vor überzeugt, dass Video im Marketing DAS Medium der Zukunft sein wird. Deshalb haben wir uns entschlossen, BeraterInnen, TrainerInnen und Coachs dieses Medium einfach zugänglich zu machen. Zusammen mit der swissinventive video production bieten wir ein Angebot für einen Video zu einem Zehntel des Preises von astramedia an - und dies selbstverständlich ohne einen «Knüppelvertrag», wie wir ihn vom genannten Unternehmen her aus eigener Erfahrung kennen. Informationen zu «Mein Videostatement»

Übrigens:
Neu ist astramedia auch unter der Firma visiblevision mit ihren fragwürdigen Verkaufspraktiken unterwegs! Der Name hat gewechselt, das Unternehmen und Ihre Methoden bleiben dieselben.

12 Kommentare:

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#12 Cedric schrieb am 16.05.2013 11:10 Antwort

Guten Tag,

 

Astramedia Verarschung geht um viel viel Geld. Wir sind nun mehr als 30 in Westland vor Gericht. Jeder der verarsch wurde soll sich an mir wenden.

 

https://www.facebook.com/Arnaques.Astramedia

 

Von A bis Z ist alles einen Betrug.

 

Danke

 

C.

#11 Beobachter schrieb am 18.07.2012 16:55 Antwort Homepage

www.clipessence.com ist die neuste Seite der Herrschaften ...

 

Bitte nie die überteuerten Basic Einträge kaufen mit einer Laufzeit von 3 Jahren ... pyjscs

#10 Werner schrieb am 13.04.2012 13:04 Antwort

Ist eigendlich jemand schon vorgericht mit astramedia? Oder wurde die Firma schon auf Betrug untersucht? Die falschen Versprechungen wurden ja in betrügerischer Absicht immer wieder gemacht

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