Beratungsformen

Intervision – kollegiale Beratung

«Es hat immer einen unendlichen Nutzen, sich so zu gewöhnen, dass man sich selbst zu einem beständigen Gegenstand seines Nachdenkens macht.»
W. von Humboldt

Ausgangslage
Intervision, auch kollegiale Beratung genannt, ist eine Form der Gruppen- oder Teamsupervision ohne professionelle Supervisorin/ohne professionellen Supervisor.
Kollegial bedeutet, dass in den Beratungsgruppen kein hierarchisches Gefälle besteht, damit sich die Gruppenmitglieder persönlich öffnen können und sich nicht durch vorgesetzte Personen eingeschränkt fühlen.
Oft besteht aus finanziellen oder organisatorischen Gründen nicht die Möglichkeit, dass sich ratsuchende Personen oder Gruppen durch eine externe Fachperson beraten lassen können.
An dieser Stelle kann kollegiale Beratung eine beschränkte Hilfe sein, falls den Gruppenmitgliedern ein kollegiales Beratungsverfahren bekannt ist. Kollegiale Beratung kann als Hilfe zur Selbsthilfe verstanden werden.

Ziel
Die Ziele der kollegialen Beratung entsprechen grundsätzlich den Zielen der Supervision.
Ein bedeutender Vorteil der kollegialen Beratung besteht darin, dass die Verantwortung für den Beratungsprozess nicht an eine aussenstehende Fachperson delegiert wird, sondern bei der Gruppe bleibt und somit die Autonomie der Gruppe und der einzelnen Teilnehmenden gefördert wird.
In der kollegialen Beratungsgruppe kann ein grosser Teil der Beratungsanliegen angegangen werden. Die Gruppe kann sich autonom, kurzfristig und selbstverantwortlich beraten, was eine grosse Chance darstellt. Durch die regelmässigen Beratungssitzungen können sich die Mitglieder der kollegialen Gruppe gegenseitig unterstützen und somit auch einem Burn-out vorbeugen.
Kollegiale Beratung stellt keine Konkurrenz zur Supervision dar, denn es können damit längst nicht alle beruflichen Beratungsanliegen bearbeitet werden. Bei Beratungsfällen mit einem hohen Anteil auf der Beziehungsebene, zum Beispiel bei Teamentwicklung, Konfliktberatung, Projektentwicklung, Organisationsentwicklung, sind kollegiale Beratungen nicht geeignet.
 
Vorgehen
Eine Gruppe von vorwiegend erfahrenen Vertreterinnen und Vertretern einer Berufsgruppe entschliesst sich, eine kollegiale Unterstützungsgruppe zu bilden. Diese Gruppe lernt, angeleitet durch eine Supervisorin/einen Supervisor, ein kollegiales Beratungsverfahren.
In regelmässigen Sitzungen kommt die Gruppe zusammen, und die einzelnen Mitglieder beraten sich gegenseitig.
 
Formen
Es existieren mehrere, langjährig bewährte, kollegiale Beratungsverfahren, welche auf unterschiedlichen Menschenbildern aufgebaut sind. Einige nutzen die Ressourcen der Gruppe, andere überlassen die Suche nach Problemlösungen ausschliesslich den ratsuchenden Personen.
 
Rolle der Supervisorin/des Supervisors
Die Supervisorin/der Supervisor hat die Aufgabe, der kollegialen Beratungsgruppe ein Beratungsverfahren zu lehren, welches der Gruppe entspricht.
Sie/er sichert, dass die Regeln und Abläufe allen Gruppenmitgliedern bekannt sind, verflechtet Theorie und Beratungspraxis und macht die Gruppe auf Stolpersteine aufmerksam.
Es ist sinnvoll, dass die kollegiale Beratungsgruppe von Zeit zu Zeit von einer professionellen Supervisorin/einem professionellen Supervisor begleitet wird, damit Anliegen der Beziehungsebene geklärt, Fragen der Metakommunikation bearbeitet und das Beratungsverhalten reflektiert werden können.
Eine kollegiale Beratung ist generell kein Ersatz für eine Supervision!
 
Dauer
Das Erlernen eines kollegialen Beratungsverfahrens dauert je nach Vorkenntnissen aus dem Bereich der Kommunikationstheorien, Beratungsverfahren und der möglichen Eigenleistung der Gruppe drei bis sechs Monate, wenn die Gruppe alle 14 Tage zusammen kommt.

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