Beratungsformen

Paar- und Familienberatung

«Im Ehestand will jeder Freude und Lust suchen, und hernach, wenn sie dreinkommen und solches nicht finden, werden sie ihm feind.»
Luther

Ausgangslage
Die Scheidungsrate in der Schweiz ist erschreckend hoch. Viele Ehen scheitern. Die meisten davon zwischen dem fünften und dem neunten Ehejahr, ein Grossteil davon wohl nach etlichen Versuchen zu kitten, was noch zu kitten war.
Hohe Erwartungen an eine Partnerschaft bei gleichzeitig ungenügend funktionierender Kommunikation tragen wohl massgeblich dazu bei, dass Paarbeziehungen in Krisen geraten, was nach mehr oder weniger redlichem Bemühen mit einer Trennung enden kann. Der Übergang von der Zweierbeziehung zur Familie führt ebenfalls oft zu grossen Schwierigkeiten, bringen Kinder doch nicht nur Heiterkeit in den Haushalt. Sie bedeuten auch einen markanten Phasenübergang in der Partnerschaft, der nach einer grundsätzlichen Neuorientierung verlangt.

Ziel
Die Bemühungen und Interventionen in der Paar- bzw. Familienberatung zielen darauf ab, die Interaktionen des zwischenmenschlichen Systems so zu beeinflussen, dass die Fortsetzung der individuellen Entwicklung der einzelnen Beteiligten gewährleistet ist. Im Einzelfall wird unterschieden werden müssen, ob das Weiterbestehen der Partnerschaft oder deren Trennung als Therapieerfolg zu werten ist.
 
Vorgehen
Paar- und Familienberatung und -therapie bezieht möglichst alle direkt Betroffenen in die Arbeit mit ein. Sie basiert auf der Erkenntnis, dass individuelle Probleme (z.B. Magersucht) immer auch Familien bzw. Paarprobleme widerspiegeln. Auch wenn individuelle Ursachen nicht unterschätzt werden, wird in der Arbeit in erster Linie von der Paar- oder Familiensituation ausgegangen. Das Paar bzw. die Familie wird gemeinsam beraten, weil auf diese Art und Weise die Prozesse, welche individuelle Probleme aufrecht erhalten, direkt beobachtet und bearbeitet werden können. Auch der näheren Umgebung (Verwandte, Schule, Arbeitsplatz usw.) wird ein wichtiger Einfluss zugeschrieben. Diese Faktoren werden unter Umständen in die Beratung miteinbezogen, wobei allerdings die entsprechenden Bezugspersonen in der Sitzung nur ausnahmsweise anwesend sind. Auch in der Einzelsitzung können Aspekte der Familiendynamik bearbeitet werden, indem zum Beispiel abwesende Familienmitglieder symbolisch dargestellt werden.
 
Prinzipien
Der Gedanke, dass menschliches Verhalten nur vor dem Hintergrund des für die Person bedeutsamen Beziehungsnetzes verstanden werden kann, bildet die Grundlage für die Entwicklung der Paar- und Familienberatung. Aufgrund der zentralen Bedeutung des Begriffs «System» wird zunehmend auch von systemischer Beratung gesprochen. Der Fokus bei der Betrachtung und den Interventionen liegt dabei vornehmlich auf den Beziehungs- und Kommunikationsmustern. Diese Muster werden als kreisförmig - und nicht wie im Alltag oft üblich - als geradlinige Abfolge von Ursache und Wirkung betrachtet. Das heisst, jede Ursache wird als Folge und jede Folge als Ursache angesehen, jeder hat Schuld und ist Opfer.
 
Rolle der Therapeutin/des Therapeuten
Die Therapeutin/der Therapeut beobachtet die Interaktionen zwischen den Beteiligten, um daraus eine «zirkuläre» Hypothese zum familiären Problem zu bilden. Gemeinsam mit den Beteiligten erarbeitet sie/er eine Problemdefinition. Diese bildet die Grundlage für die Entwicklung ihrer/seiner Interventionen. Sie zielen darauf ab, die Beziehungs- und Kommunikationsmuster innerhalb des Systems zu verändern, um dadurch wirkungsvollere Problemlösungsstrategien zu ermöglichen.
 
Einige Erfolgsvoraussetzungen
Der Erfolg der Beratung bzw. Therapie hängt wesentlich von der Persönlichkeit der jeweiligen Fachperson ab. Von zentraler Bedeutung ist dabei eine strikte Allparteilichkeit oder Neutralität. Nie darf es zu einer Verbündung mit einer der beteiligten Personen kommen.
Es empfiehlt sich, im Erstgespräch besonderes Augenmerk darauf zu richten, ob die «Chemie» zwischen der Beraterin/dem Berater und den ratsuchenden Menschen stimmt. Erst wenn diese Frage beidseitig bejaht werden kann, sollte eine gemeinsame Weiterarbeit vereinbart werden.
 
Beratungsrichtungen
Neben der strukturell/systemischen Paar- und Familienberatung bzw. -therapie gibt es zwei weitere Hauptrichtungen: die humanistische und die tiefenpsychologische. In den letzten Jahren haben sich immer mehr integrative Ansätze von Familienberatung bzw. -therapie verbreitet, die Elemente aus den verschiedenen Richtungen aufnehmen.
 
Dauer
Paar- wie auch Familienberatung beschränkt sich auf zeitlich überschaubare Interventionen. Die relativ kurzfristigen Hilfeprozesse sind auf rasche Veränderungen angelegt.

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