Dossiers

Change Management – Was ist das?
Vielleicht kennen Sie solche oder ähnliche Situationen:

  • Ein Technologie-Unternehmen hat eine starke Wachstumsphase in den neuen EU-Ländern hinter sich. Jetzt schafft es die F&E-Abteilung nicht mehr, ihre Ergebnisse an die technischen Berater in den Landesniederlassungen weiterzugeben - es gibt einfach zu viele davon. Wie können die Prozesse der neuen Situation angepasst werden?
  • Die administrative Leiterin einer großen Universität kehrt nach Burnout-Behandlung und mehrmonatiger Erholungspause an ihren Arbeitsplatz zurück. Erstaunlicherweise hat in der Zwischenzeit der Admin-Bereich ohne grössere Pannen weitergearbeitet, es ist auch kaum etwas liegen geblieben. Wie kann aus diesen positiven Erfahrungen gelernt und wie können Bereichs-Strukturen, -Verantwortlichkeiten und die Verhaltensweisen der MitarbeiterInnen so angepasst werden, dass die Leiterin nicht dort weitermachen wird, wo sie nach dem Burnout aufgehört hat?
  • Ein kleiner Handelsbetrieb für Getränkeabfüllautomaten mit integriertem Kassensystem in der Gastronomie hat nach der erfolgreichen Start-Up-Phase mit konjunkturbedingten Umsatzrückgängen zu kämpfen. Interessanterweise gibt es immer wieder Anfragen aus ganz anderen Branchen, die sich nur auf das Kassensystem beziehen. Lässt sich daraus nicht eine neue Unternehmensstrategie entwickeln - ein zweites Standbein, das den Handelsbetrieb durch das Wellental in der Gastronomie zu neuen Wachstumsmärkten trägt?

Solche Veränderungen in Prozessen, Strukturen, Verantwortlichkeiten, Verhaltensweisen und Strategien zu erdenken, zu entwickeln, einzuleiten, umzusetzen, nachhaltig zu verankern und laufend zu begleiten - das ist Aufgaben- und Wirkungsbereich des Veränderungsmanagements oder, kürzer und deshalb heute gebräuchlicher: des Change Managements.

Aus Ursprüngen teils in den Arbeitswissenschaften (Untersuchungen zu Produktivitätssteigerung von Roethlisberger bei Western Electric ab den 1920er-Jahren), teils in der Soziologie (Experimente von J.L. Moreno zur Selbstorganisation in Anhaltelagern während des 1. Weltkrieges) entstand zunächst das Gebiet der Organisationsentwicklung. Lewin, der in den 1940er-Jahren an Organisationstheorien arbeitete, untersuchte auch erstmals die Veränderungsprozesse selbst.

Heute wird Change Management manchmal als Modeerscheinung abqualifiziert. In Wirklichkeit liefern die rasanten und sich ständig weiter beschleunigenden Veränderungen in Gesellschaft, Wirtschaft und Technologie jedem Unternehmen Veränderungsimpulse, die nicht übergangen werden dürfen, sondern als positive Anlässe für gezielte Veränderungen genommen werden müssen. Organisationen, die darauf nicht offen, ja proaktiv reagieren, sind zum Untergang verurteilt, weil sie die notwendigen Anpassungsleistungen nicht erbringen.

Eine wichtige Schlussfolgerung daraus ist, dass Change Management heute nicht einmalig oder auch nur gelegentlich ("wenn es brennt") notwendig ist, sondern permanent stattfinden muss. Das ist eine der Zusatzbelastungen, die die Mitarbeiterschaft moderner Organisationen spürt. Das stellt aber auch erhebliche Anforderungen an das moderne Management, von dem in diesem Zusammenhang Wissen, Fähigkeiten und Leistungen verlangt werden, für die man noch vor einem Jahrzehnt in jedem Fall Unternehmens- und Organisationsberater engagiert hat. Konsequenterweise ist heute an vielen Hochschulen Change Management ein durchaus übliches Unterrichtsfach in Wirtschafts- und Management-Studienrichtungen.

Die Rolle der Berater, Trainer und Coaches hat sich dadurch im letzten Jahrzehnt stark gewandelt: Sie stehen in den Organisationen heute ManagerInnen und MitarbeiterInnen gegenüber, die selbst in Spezialdisziplinen gut ausgebildet sind und die zudem erhebliche Insiderkenntnisse aufweisen und diese auch richtig einzuschätzen wissen. Das stellt aussergewöhnliche Anforderungen an externe Spezialisten. Das ist aber auch die Chance, Change Projekte mit intensiverer Beteiligung und deutlich mehr Verständnis der Betroffenen als früher durchzuführen.

Die Komplexität der im Change Management abzudeckenden Wirkungsbereiche (Strategie, Aufbau- und Ablauf-Organisation, Verhalten von Gruppen, Teams und Einzelpersonen) findet ihre Entsprechung in einer enormen Vielfalt von Methoden und Techniken, die zur Erzielung nachhaltiger Wirkungen eingesetzt werden.

Dieses für Aussenstehende doch eher unübersichtliche, dabei aber hochaktuelle Gebiet fassbar zu machen ist das Vorhaben dieses Dossiers Change Management.  Und die dazu notwendigen Spezialisten bereitzustellen setzt sich der Beratungspool zum Ziel. Machen Sie Gebrauch davon!