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So finden Sie Ideen im Alleingang

Kreativität hat mit Genie oder Intelligenz sehr wenig zu tun. Wir alle haben kreative Fähigkeiten in uns. Wir setzen aber oft voraus, dass eine neue Situation einer anderen Situation, die wir früher einmal analysiert haben, ähnlich ist, und schliessen dadurch vom Anfang an interessante Lösungen aus.
Neue Ideen zu haben ist relativ einfach. Schwieriger wird, wenn Sie etwas aufgeben müssen, was in der Vergangenheit sehr erfolgreich war, aber jetzt schon überholt ist. Der Mensch tendiert dazu, Erfahrungen und Erkenntnisse in die Zukunft zu extrapolieren. Mit immer mehr vom Bisherigen sehen aber die Perspektiven leider nicht so gut aus.

Hier geht es um die Arbeitsschritte, die nötig sind, um Ideen und Problemlösungen zu finden.

1. Analysieren Sie das Thema
Wie sieht die Ausgangslage aus?
Was wollen Sie erreichen und warum ist dies wichtig?
Wer ist vom Thema betroffen?
Was würde geschehen, wenn Sie jetzt nicht handeln?

2. Sammeln Sie Informationen
Sie erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Sie gute Ideen finden, indem Sie zu einem Sammler werden.
Machen Sie sich unbedingt eine Notiz, wenn Sie auf einen interessanten Gedanken stossen. Führen Sie ein Tagebuch, eine Mappe mit Zeitungsausschnitten oder eine entsprechende Computerdatei.
Das Mind Mapping ist ein sinnvolles Instrument, um Informationen zu strukturieren.

3. Suchen sie nach vielen Alternativen
Die beste Methode ist mit irgendwelcher Idee zu beginnen. Es ist egal, ob diese Idee Sinn macht oder das Problem löst, solange sie etwas Neues und Anderes darstellt.
Fangen Sie mit solchen Fragen an: «Was wäre, wenn...?»
Originell muss eine Idee nur in der Anwendung auf das Problem sein, an dem Sie gerade arbeiten...Machen Sie es sich zur Gewohnheit, auf neue und interessante Ideen zu achten, die andere mit Erfolg in völlig anderen Bereichen bzw. Branchen umgesetzt haben. Suchen Sie immer nach mehreren Ideen. Es ist einfacher als DIE Lösung zu finden.

4. Denken Sie nicht mehr daran («Inkubationszeit»)
Oft entsteht eine Idee nicht nach und nach, sondern sie erscheint plötzlich als Ganzes, obwohl ihre «Erreger» schon länger wirksam sind. Während Sie sich bewusst mit anderen Sachen beschäftigen, arbeitet ein Teil Ihres Unterbewusstseins am Problem, das Sie lösen wollen. Deshalb ist es wichtig, genügend Zeit zwischen der kreativen Phase und der Bewertungsphase einzuplanen.

5. Bewerten Sie Ihre Idee(n)
Die Ausarbeitungsphase wird oft unterschätzt. In vielen Büchern kommt sie nur am Rande vor, dabei ist eine kreative Lösung ohne Ausarbeitung wie ein Flügel ohne Vogel!
Formulieren Sie Ihre Idee(n) schriftlich, genau und positiv und beantworten Sie dann solche Fragen:
Unter welchen Voraussetzungen ist die Idee realisierbar?
Welchen Nutzen hat die Idee?
Wie schnell sind die Ideen realisierbar?
Wie können meine Kunden, meine Freunde, meine Familie davon profitieren?
Welche Kosten verursacht sie?
Wie gross ist ihr Einsparungspotenzial?
Wie lassen sich die Schwächen der Idee minimieren?

6. Setzen Sie Ihre besten Ideen in die Praxis um!
Es gibt keinen Unterschied zwischen a) eine Idee zu haben und nichts daraus zu machen und b) überhaupt keine Idee zu haben.
Also, wenn Sie nicht vorhaben, etwas mit Ihren Ideen anzufangen, brauchen sie von vornherein keine zu haben. Es wäre reine Zeit- und Energieverschwendung!

Über den Autor:
Der 41-jähriger Betriebswirtschafter Yves Oesch aus Olten, hat als ehemaliger Wettkampf-Schachspieler eine Leidenschaft für die praktische Anwendung der Denkforschung im Geschäftsleben. Er verfügt über 15 Jahre Berufserfahrung, zuletzt als Leiter Management Services in einem Schweizer Unternehmen. Seit 1999 hilft er als Berater für Strategie- und Ideenentwicklung Unternehmen dabei, neue Geschäftsbereiche, Dienstleistungen und Marketingideen zu entwickeln, um bestehende Kunden zu begeistern und neue Kunden zu gewinnen.